Trennungsmanagement aus Mitarbeitersicht, Teil 2

Felix´s Impulse 120/ 2023

Outplacement aus Sicht des betroffenen Mitarbeiters ist eine Perspektive, die die Führungskräfte und Geschäftsleitung durchaus auch mal betrachten und würdigen sollten. Es könnte sich lohnen – für beide Parteien.

Ich habe es in den letzten Jahren u.a. in der Automobil-Industrie, als auch im Bereich Automotive erlebt, was es mit den Mitarbeitern macht, die entlassen wurden. Nach 10, 20 und mitunter nach 30 Jahren Zugehörigkeit, oftmals auch mit einer hohen Identifikation mit dem Arbeitgeber, kommt die Entlassung. Je nach Lebensalter, beruflichem Werdegang und Persönlichkeit beginnt eine emotionale Spirale, die aus dem Nichts kommt und kalt zuschlägt. Von Schlaflosigkeit über Unverständnis bis hin zu Existenz- und Verlustangst reicht die Palette der Gefühle.

Als die deutschen Hockeyherren Ende Januar 2023 Weltmeister wurden, kam diese Tatsache bei dem einen oder anderen Spieler erst langsam in Deutschland während und nach der gemeinsamen Sieger-Party in Köln an. Ähnlich verhält es sich auch bei Entlassungen. Die Realisierung, dass ein Einschnitt im Berufsleben stattgefunden hat, erfolgt mit dem letzten Arbeitstag, am ersten Tag ohne Arbeit oder auch erst Tage, mitunter Wochen später. Ein emotionaler Tornado rauscht auf die Menschen zu oder umgibt sie – m al stehen sie im Auge, mal im Wirbel, immer ist es erschöpfend. Es gibt Phasen der Lustlosigkeit, der Lethargie, Anflüge von Depression und Hilflosigkeit. Um aus dieser Gemengelage herauszukommen bedarf es eines stabilen privaten Umfelds, eines guten Beraters und einer ausgeprägten Resilienz.

Es beginnt die Phase der ungewollten Veränderung, die angenommen werden will (siehe hierzu auch Die 5 Zimmer der Veränderung). Mit dem mentalen Aufarbeiten des Scherbenhaufens beginnt parallel die Arbeit mit dem Berater und Coach. Über drei bis sechs Monate hilft dieser dem Mitarbeiter schnellstmöglich eine neue berufliche Heimat zu finden. Das ist der naheliegende Aufgabenteil. Häufig ist jedoch zunächst psychologische Arbeit zu leisten. Der Mitarbeiter wird dabei unterstützt, dass Geschehene zu verdauen, Ängste in positive Bahnen zu lenken und den Blick schnellstmöglich in die positive berufliche Zukunft zu richten.

Innerhalb des Bewerbungsmanagement werden die persönlichen Bedürfnisse, die Werte und Lebensmotive, möglicherweise in Verbindung mit dem Reiss Motivation Profile, ebenso ermittelt, wie die Kompetenzen sowie die Kernkompetenzen. Auf dieser Basis wird ein neues Fundament für das zukünftige Haus der Karriere erbaut.

Die einfachen, wie komplizierten Fragen sind zu klären: Was will ich? Was kann ich? Was biete ich? Im Rahmen der Selbstanalyse, unter Begleitung des Coaches, sind das die zielführenden Aspekte. Ebenso wie die Klärung, wie der zukünftige, idealtypische Arbeitsplatz und Arbeitgeber aussehen sollte. Das Erstellen von zeitgemäßen Bewerbungsunterlagen sowie das trainieren von Bewerbungsgesprächen gehört ebenfalls zum Beratungsumfang. Hilfe zur Selbsthilfe – so lässt sich die Zusammenarbeit zwischen Coach und Coachée am besten beschreiben.

Die wichtigste Aufgabe im Zusammenspiel zwischen den beiden Partner ist eine vertrauensvolle, empathische Basis zu erarbeiten, so dass sich der Kunde fallen lassen kann und tatsächlich dort abgeholt wird, wo er ist. Frage dich doch mal, wie es dir ohne die üblichen, täglichen Strukturen gehen würde. Würdest du in den Tag leben oder dir eigene, neue Strukturen schaffen? Würdest du dir etwas suchen, was dir hilft negative Energie gegen positive zu tauschen? Das reine Bewerbungsmanagement ist in diesem Prozess fast ein Abfallprodukt.

Daher finde ich es wichtig, dass beiden Seiten im Rahmen des Trennungsmanagements wertschätzend, respektvoll und offen miteinander kommunizieren. Zum Nachlesen geht es hier zu Teil 1 des Trennungsmanagements, der die Unternehmensperspektive beschreibt.

Wundervolle Impulse für die nächste Woche.

Bleibe inspiriert.

Holger

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